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| Charlotte Willmer-Klumpp |
Sehr geehrte Frau Willmer-Klumpp,
nachdem wir die Science Days im Jahr 2003
schon zum zweiten Mal besucht haben, sind wir doch sehr
gespannt auf die Informationen hinter den Kulissen
und freuen uns, dass Sie für unsere Fragen etwas Zeit
gefunden haben.
Magnetator.de:
Seit wann gibt es die Science Days im Europa Park in Rust?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Die Science Days finden seit 2001 im Europa-Park in Rust
statt. Wir nützen in diesem Jahr also zum vierten Mal
die Gastfreundschaft des Freizeitparks. Trotzdem feiern
wir 2004 unser fünfjähriges Jubiläum: Im
Jahr 2000 gab es in Freiburg schon ein Science Festival.
Das ging über drei Wochen und hatte 500 Veranstaltungen
an vielen verschiedenen Orten in der Stadt. Das war zwar
ebenso erfolgreich, aber wir schätzen den Veranstaltungsort
Europa-Park doch mittlerweile sehr, weil hier alles unter
einem Dach stattfinden kann.
Magnetator.de:
Nach dem, was wir so mitbekommen haben, ist es ja eine wahnsinnige
Arbeit, die Science Days durchzuführen. Wer richtet
die Science Days aus und wer kümmert sich im Hintergrund
darum, dass alles glatt geht? Und wie ist eigentlich die
Idee der Science Days geboren worden? Von wem? Und wann?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Die Idee, Science Days durchzuführen, entstand bei
einem Besuch in Schottland. Die Schotten haben schon seit
längerem erkannt, dass die Naturwissenschaft und Technik
näher ran an die Jugend, ran an die breite Öffentlichkeit
müssen. Das Forschen im Elfenbeinturm ist
spannend, aber wenn niemand davon erfährt oder die
Forschungen gar nicht mehr versteht, bringt das gar nichts.
Zuerst ist Herr Lerch 1997 in Edinburgh gewesen, dann ist
unser ganzes Team 1999 hingefahren. Alle waren begeistert
und einhellig der Meinung: das brauchen wir in Deutschland
auch!
Magnetator.de:
Warum wurde von Ihnen ausgerechnet der Europa Park als Veranstaltungsort
für die Science Days ausgewählt?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Der Europa-Park ist ein idealer Kooperationspartner: er
stellt uns die Räumlichkeiten zu Verfügung und
hilft uns bei allen technischen Problemen mit seinem Know
how und vielen freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Für die Besucher ist er sehr gut zu erreichen: es gibt
keine Parkplatzprobleme und mit einem Kombiticket kann man
die Science Days besuchen und dann noch einen Besuch im
Freizeitpark anschließen.
Magnetator.de:
Wo genau im Europa Park kann man die Science Days finden?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Die Science Days breiten sich immer mehr aus. Zuerst fand
die Veranstaltung nur im Europa-Park-Dome und seinem Foyer
statt. Mittlerweile füllen wir mit unseren Angeboten
auch noch den Silverstar-Dome, unsere Shows laufen in der
Medienhalle und im Außenbereich zwischen den Zelten
kann man noch mehr erleben. Auf über 5000 m2 Science
and more!
Magnetator.de:
In welchem Turnus finden die Science Days statt?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Die Science Days finden jedes Jahr im Herbst statt, meist
im Oktober.
Magnetator.de:
Oh, prima, dass heißt, wenn wir uns jeweils im Oktober
diesen Zeitraum reservieren, dann gehts zu den Science
Days! Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte der Science
Days?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Unsere inhaltlichen Schwerpunkte haben sich in den letzten
Jahren an den Themen der Wissenschaftsjahre, die vom Ministerium
für Forschung und Bildung ausgerufen werden, orientiert:
im Jahr 2002 standen die Geowissenschaften im Mittelpunkt,
2003 ging es chemisch zu und in diesem Jahr
werden uns die Technik und ihre Anwendung im Alltag beschäftigen.
Selbstverständlich sind diese Themen nur Schwerpunkte
neben vielen anderen Themen, die unsere Besucherinnen und
Besucher interessieren: das sind u.a. Biologie, Chemie,
Physik, Mathematik, Informatik, Medizin, Gesundheit, Ernährung,
Kriminalistik und vieles mehr. Jedes Jahr sind wir wieder
aufs Neue gespannt, wer uns ein attraktives Thema anbietet.
Magnetator.de:
Welches Publikum wird von den Science Days angezogen?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Wir sind auf fast alle Altersstufen eingestellt, sagen wir
von drei bis 99 Jahren. Wir hatten zwar auch schon Besucher,
die im Kinderwagen kamen, aber man sollte schon auf eigenen
Beinen stehen können, um sich dann von den tollen Angeboten
umhauen zu lassen. J
Da wir jedes Jahr eine Umfrage unter den Besuchern machen,
können wir ziemlich genau sagen, dass die meisten Science-Days-Fans
zwischen 12 und 16 Jahren alt sind. Lehrerinnen und Lehrer
sind auch sehr daran interessiert, Anregungen für ihren
Unterricht zu bekommen.
Magnetator.de:
Wahrscheinlich ist es schwer zu sagen, aber welche Themen
sind Ihrer Erfahrung nach für die Besucher am interessantesten?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Oh, die Frage ist schwer zu beantworten! Jeder bringt unterschiedliche
Interessen mit, für jeden bedeutet der Besuch etwas
anderes. Es gibt Freaks, die sich stundenlang an nur einem
Stand aufhalten und mit Wissenschaftlern diskutieren und
sich über die aktuelle Forschung informieren lassen.
Andere sind glücklich, wenn sie in einem Workshop so
richtig tüfteln, experimentieren und werkeln können.
Andere finden unsere Shows einsame Spitze: sie gruseln sich
beim Vortrag von Madendoktor Benecke über
die Liegezeit von Leichen, staunen mit den Physikanten über
das Phänomen des verrückten Koffers
oder sie nehmen an einer der verschiedenen Fernsehaufzeichnungen
teil. Ich könnte hier eigentlich alle 100 Angebote
aufzählen, alle sind in sich faszinierend.
Magnetator.de:
Wie verhält sich die Besucherstatistik der Science
Days seit der ersten Veranstaltung?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Die spricht für sich. Ich sage nur 12.000 15.000
18.000 20.000. Jedes Jahr kommen mehr Interessierte.
Wir müssen allerdings darauf achten, dass es nicht
zu viel werden. Der Andrang würde sonst verhindern,
dass jeder sich in Ruhe auf den Science Days umschauen kann.
Wir sind ja keine Messe, auf der sich die Besucher durch
die Gänge schieben.
Was die Aussteller, also die aktiv Teilnehmenden
angeht, so präsentieren wir eine gesunde Mischung aus
Firmen, die ihre Produkte erfahren lassen (nicht
nur zeigen!), Schulklassen, die ein tolles durchgeführtes
Projekt der breiten Öffentlichkeit präsentieren
wollen, Institutionen, wie Universitäten, Fachhochschulen
u.s.w., die ihre Forschung erklären und Lehrerseminare,
die ausprobieren, ob ihre Unterrichtsrezepte schülertauglich
sind. Ihr seht eine bunte Mischung!
Magnetator.de:
Eine phantastisches Wachstum, vor allem, wenn man bedenkt,
dass die Science Days nur einmal im Jahr durchgeführt
werden. Die Science Days sind ja zu einem großen Erfolg
und zu einer festen Einrichtung geworden, die unmittelbar
mit dem Europa Park verknüpft ist. Was ist in Zukunft
für die Science Days geplant?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Die Science Days sind als Veranstaltung an sich sehr wichtig.
Sie sollen aber auch bewusst machen, wie groß der
Bedarf ist, mehr über die Naturwissenschaften und die
Technik zu erfahren. Längerfristig, so sagen fast alle
Besucherinnen und Besucher, wäre es schön, wenn
es ein Science Center beim Europa-Park gäbe, das ganzjährig
die Möglichkeit bietet, sich aktiv mit Naturwissenschaft
und Technik auseinander zu setzen. Das ist unser Ziel.
Magnetator.de:
Sie führten aus, dass die jeweils im Oktober im Europa
Park stattfindenden Science Days vom Förderverein Science
und Technologie e.V., also von Ihnen und Herrn Lerch organisiert
werden. Gibt es im Europa Park weitere Anknüpfungspunkte,
die aus Ihrer Feder stammen und Wissen auf eine
abenteuerliche Weise erlebbar machen?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Herr Lerch und ich sind nicht nur die Hauptorganisatoren
der Science Days, wir bemühen uns auch im Europa-Park,
pfiffige Ideen zu verwirklichen, wie man Spaß und
Lernen miteinander verknüpfen kann. Hier halten wir
es mit dem Motto Deutschlands größtes Klassenzimmer,
das heißt, im Europa Park kann durchaus auch etwas
gelernt, nicht nur Achterbahn gefahren werden. Unsere Wissensrallyes
richten sich an Grundschüler und Jugendliche von 10
bis 16 Jahren. Beim Durchwandern des Europa-Parks stellt
man verblüffend oft fest, wie viel Physik, Geschichte,
Kunst und Sprachen sich mit den Attraktionen verknüpfen
lässt. Ganz neu ist eine Biologie-Rallye, die von zukünftigen
Lehrerinnen und Lehrern aus Freiburg mit ihrem Lehrbeauftragten
erstellt wurde und sich hauptsächlich um die Bäume
im Europa-Park dreht.
Magnetator.de:
Werden neben den einmal jährlich im Oktober stattfindenden
Science Days noch weitere
Veranstaltungen von Ihnen durchgeführt (wenn man es
z.B. nicht bis zu den nächsten Science Days aushalten
kann)? Wenn ja, welche und wann? Mit welchem Thema?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Nur Science Days organisieren, da würde es uns ja langweilig.
J
Nein, der Förderverein bietet auch Lehrerfortbildungen
im Europa-Park an. Herr Lerch z.B. hat den Weltraum
ins Klassenzimmer geholt. So hieß eine Fortbildung,
in der die Lehrerinnen und Lehrer von namhaften Wissenschaftlern,
die in der Raumfahrt aktiv sind, informiert wurden. Höhepunkt
der Fortbildung war dann die Führung eines echten Astronauten
durch die MIR, die Raumfahrtstation, die nach dem Ausmustern
im Europa-Park gelandet ist und die man dort besichtigen
kann. Auch einen Raketenworkshop hat er angeboten,
das war ein Renner!
Eine weitere Fortbildung hatte den witzigen Namen Pickel,
Pille, Partnersuche. Hier habe ich zusammen mit einem
Mediziner der Uni Freiburg Lehrerinnen und Lehrer über
die heiße Phase im Leben, nämlich
die Pubertät, informiert. Die Veranstaltung war so
beliebt, dass wir sie im Juli 2004 wiederholen müssen.
Und im November bieten wir für Erzieherinnen und Erzieher
eine Fortbildung an, in der es um chemische Experimente
im Kindergarten geht. Die Minis sind nämlich
höchst neugierig und finden Chemie echt spannend!
Magnetator.de:
Und wenn man es überhaupt nicht mehr abwarten kann,
dann klickt man einfach in Abenteuer Wissen auf www.magnetator.de
und holt sich ein paar Tipps für Experimente aus den
Fachbereichen Physik, Chemie und Biologie, die man ganz
einfach zuhause durchführen kann. Wem das nicht reicht,
findet auf Ihrer offiziellen Website www.science-days.de
noch weitere Experimente, die aus Ihrer Feder stammen. Was
begeistert Sie an den Fächern Chemie und Biologie so
sehr?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Ich fand diese Fächer schon immer cool. Nun muss man
sagen, dass ich schon mit drei Jahren im Labor meines Vaters
herumgehüpft bin und dort experimentieren durfte. Deshalb
habe ich nie eine Scheu vor komplizierten chemischen Geräten
und Prozessen gehabt. Vielleicht haben meine Eltern das
einfach richtig gemacht: mir frühzeitig die Faszination
der Naturwissenschaften zu zeigen. In der Schule hatte ich
dann Lehrerinnen und Lehrer, die mit uns Schülerinnen
(ich war auf einem reinen Mädchengymnasium) experimentiert
und geforscht haben, dass es nur so gebrummt hat. Die Formeln
und Gesetze waren dabei dann halb so schlimm. Und in meinem
Studium in Göttingen und Freiburg an der Uni haben
mir die Praktika am meisten Spaß gemacht. Deshalb
experimentiere ich mit meinen Schülerinnen und Schülern
auch so oft es geht!
Magnetator.de:
Sie haben einen tollen Satz gesagt: Schulbücher
müssen interessanter werden! (jede Wette, dass
Schüler der gleichen Meinung sind). Deshalb sind Sie
auch Schulbuchautorin geworden. Das wollen wir genauer wissen.
Warum sind Sie dieser Meinung? Und wie genau wollen Sie
erreichen (oder haben Sie erreicht), dass Schulbücher
interessanter werden?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Ich habe ein Chemiebuch und ein Biologiebuch geschrieben.
In Büchern, an denen ich mit arbeite, müssen viele
Experimente vorkommen. Das ist mir wichtig. Es tut sich
im Moment einiges in Deutschland, was gute Schulbücher
angeht. Die Autorinnen und Autoren bemühen sich, die
Texte so zu schreiben, dass sie für Schülerinnen
und Schüler verständlich sind. Außerdem
gibt es z.B. im neuen Klett PRISMA Buch, an dem ich mitarbeite,
Werkstattseiten zum Selberforschen und Strategieseiten,
die beim Lernen helfen.
Magnetator.de:
Okay, aber nun mal Hand aufs Herz. Warum sind Naturwissenschaften
wichtig? Warum und wofür können wir das Wissen
im späteren Leben gebrauchen?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Ob es um unser tägliches Leben wie Essen, Kleidung,
Wohnen, um unsere Gesundheit oder um Umweltfragen geht,
wir brauchen die Naturwissenschaften einfach immer. Ohne
grundlegende biologische und chemische Vorkenntnisse sind
wir doch gar nicht in der Lage, unsere eigene Meinung bilden
zu können. Wir müssen uns blind auf Experten
verlassen, die vielleicht selbst wenig Ahnung haben.
Magnetator.de:
Frau Willmer-Klumpp, Sie sind außerdem Lehrbeauftragte
am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung
in Freiburg und begleiten Junglehrerinnen und Junglehrer
ins Berufsleben. Sollte eine Lehrerin/Lehrer dieses Interview
lesen (oder vielleicht von seinen Schülern darauf aufmerksam
gemacht werden) und sich für weitere Informationen
interessieren, wie kann diese/r Sie am besten erreichen?
Charlotte Willmer-Klumpp:
Ich freue mich über jede Zuschrift und Anfrage. Nur
zu... Am besten erreicht man mich über eMail. Hier
meine Anschrift:
Förderverein Science und Technologie e.V.
Charlotte Willmer-Klumpp
Poststr. 6
D-79336 Herbolzheim
Tel: +49 (0) 7643-1880
Fax: +49 (0) 7643-930802
Email: cwk.uk@t-online.de
Die Science Days stehen unter einem sehr anspruchsvollem
Motto:
Wissenschaft und Technik auf unterhaltsame, verblüffende,
spielerische und lehrreiche Weise erleben und erfahren.
Wir freuen uns, sehr geehrte Frau Willmer-Klumpp, dass wir
erfahren konnten, wie es Ihnen gelingt, diesem anspruchvollem
Motto gerecht zu werden und bedanken uns sehr herzlich,
dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen
haben.
Magnetator.de:
Auf bald, spätestens bei den nächsten
Science Days.
Das Magnetator-Team
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