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| Harry Halas |
Bei unseren zahlreichen Besuchen in Wien sind wir auf
den Astronom und Showproduzenten Harry Halas aufmerksam
geworden. Besonders auffällig ist, dass er jede Woche
(!!) eine andere Haarfarbe hat und mit Kindern super umgehen
kann. Daher haben wir lange gewartet, um „Harry“ endlich
mal für ein Interview ein paar Minuten seiner kostbaren
Zeit abzuzwacken.
Magnetator.de:
Sehr geehrter Herr Halas, Sie sind Astronom und mit ungeheurer
Begeisterung dabei. Woher kommt diese unermüdliche
Begeisterung für Ihren Beruf?
Harry Halas:
Ich bin schon seit frühester Jugend von der Astronomie
fasziniert und habe sie deshalb auch zu meinem Beruf gemacht.
Magnetator.de:
Das klingt uns aber wirklich etwas zu einfach. Sie arbeiten
schon ewig für das Planetarium?
Harry Halas:
Nein, natürlich nicht. Seit Herbst 2000 arbeite ich
als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Planetarium Wien
und bin die meiste Zeit als Multimediaspezialist tätig.
Aber der Reihe nach: Zu Anfang stand ein Besuch im Wiener
Planetarium - ich war sieben und hörte bei Professor
Mucke "Der Mond beim Schneider". Der Sternenhimmel
zog mich sofort in seinen Bann und meine Eltern konnten
meine Fragen bald nicht mehr beantworten.
Magnetator.de:
Unglaublich, das würde ja bedeuten, dass sich mit
Ihrer Tätigkeit für das Planetarium Wien ein
Kreis schließt, der im zarten Alter von sieben Jahren
begann?
Harry Halas:
Ja, so könnte man das sehen. Meine speziell naturwissenschaftliche
Ausbildung konnte ich mir zunächst nur über die
Chemie holen, da es in Wien keine Schule für Astronomie
gab. Meine Reifeprüfung legte ich somit im Fachbereich
Technische Chemie ab. Da man mir zu Beginn meines Astronomiestudiums
keine großen Aussichten auf eine Stelle im Bereich
Astronomie bot, beschloss ich damals meine naturwissenschaftliche
Ausbildung mit Technischer Physik zu ergänzen, um
so meine Chancen zu vergrößern. Neben meinem
Studium begann ich an der Kuffner Sternwarte zu jobben,
so gelangte ich rasch zur praktischen Anwendung meines
im Studium erworbenen Wissens und erhielt auf diese Weise
auch Schulungen in Didaktik und Präsentationstechnik.
Das allein machte mich aber noch nicht glücklich,
denn eigentlich zog es mich schon immer eher zur Raumfahrt
hin. Dieser Umstand führte mich schließlich
zum Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der TU München,
wo ich meine Diplomarbeit absolvierte.
Magnetator.de:
Und dann gingen Sie ans Planetarium Wien?
Harry Halas:
Nein, es wird noch etwas abgefahrener. Am Ende meiner Diplomarbeit
stellte man mir dann eine Doktorarbeit bei der NASA in
Aussicht. Ich schien am Ziel meiner Träume. Denn
seit ich im Sommer 1997 an einer Sommerschule zum Thema
Mars im Jet Propulsion Laboratory der NASA teilgenommen
hatte, war es mein Wunsch gewesen, dort hin zurückzukehren,
um wissenschaftliche Forschung zu betreiben. Doch an
diesem Wendepunkt meines Lebens kam ein schicksalhafter
Anruf aus Wien. Eine Stelle im Planetarium Wien war plötzlich
frei geworden. Eigentlich war ich gedanklich schon in
den USA. Aber das Angebot war einfach zu verlockend,
zumal ich damals nebenbei im Planetarium München
gejobbt habe und insgeheim davon träumte diese Arbeit
eigenverantwortlich in Wien machen zu können. Ich
brauchte keine zweimal nachzudenken, um herauszufinden,
dass dieser Job genau zu mir passt. Seit Herbst 2000
bin ich dort nun für Gestaltung und Ablauf des Programms
und für wissenschaftliche Anfragen zuständig.
So hat sich der Kreis geschlossen.
Magnetator.de:
Wow, einen Jungentraum zum Beruf machen, das wäre
sicher auch für viele Leser dieses Interviews erstrebenswert.
Wie starteten Sie in Ihren Traumberuf? Lief alles so, wie
Sie es sich gewünscht und vorgestellt haben?
Harry Halas:
Zunächst waren die Vorstellungen im Planetarium Wien
Schwerstarbeit. War ich in Deutschland in einem der modernsten
Planetarien tätig gewesen, stand ich nun in einer
Kuppel, die sich seit fast 40 Jahren kaum verändert
hatte. Das Steuerpult war riesig, und im Fastdunkel nur
unter Schwierigkeiten zu bedienen. Der Zeiss-Projektor
IV war ein riesiges, unhandliches Teil und durch seine
analoge Steuerung dazu auch noch recht unflexibel - dauerte
es doch sechseinhalb Stunden um den Himmel um 2000 Jahre
zu verstellen. Es gab nur 2 Computer im ganzen Haus und
die waren weder miteinander vernetzt, noch ans Internet
angebunden. Trotzdem machte mir diese Arbeit auch damals
schon Spaß. Jede Vorstellung war live und damit ein
Unikat.
Magnetator.de:
Aber dann kamen Veränderungen, die auch Magnetator
schon damals mitbekommen hatte.
Harald Halas.
Genau. Im Frühjahr 2001 begann dann eine eineinhalb
jährige Umbauphase, in der Technik und Einrichtung
der Kuppel vollkommen neu gestaltet wurden. Statt des PVC-Bodens
wurde ein Teppich gelegt, die Sitze wurden durch neue bequemere
Sessel ersetzt, das Zeiss-Modell Nr. IV musste dem modernsten
Modell, dem Zeiss Universarium IX, weichen. Insgesamt 24
Diaprojektoren fanden im Wiener Planetarium eine neue Heimat
und mit dem Laser-Videoprojektor ZULIP kam eine Weltneuheit
ins Planetarium, die auch heute noch nach ihres gleichen
sucht.
Magnetator.de:
Wir durften uns ja schon oft in Ihren Shows auf faszinierende
Reise durch das Universum begeben. Aber was ist denn
das Besondere an diesem Universarium IX?
Harry Halas:
Das Zeiss-Universarium IX ist im Gegensatz zum Modell IV
ein kleines, digital gesteuertes Gerät. Der Sprung über
2000 Jahre Sternengeschichte dauert damit nur noch wenige
Sekunden. Damit sind natürlich ganz neue Möglichkeiten
für Shows gegeben. Modernste Glasfaseroptik leitet
das Licht von einer 450 Watt starken Bogenlampe zu den Öffnungen
an der Kugel. Rund 9100 Sterne, die sogar funkeln, und
einige Deep-Sky-Objekte werden so auf die Kuppel des
Planetariums projiziert. Diese Technik schafft so ein
täuschend echtes Bild, dass der Eindruck entsteht,
als würde man unter dem wirklichen Sternenhimmel
stehen.
Magnetator.de:
Oh, ja, das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen.
Aber bitte erzählen Sie weiter….
Harry Halas:
Mit den Diaprojektoren können unter anderem Panoramen
an den Horizont der Kuppel gezaubert werden. So glaubt
man zum Beispiel auf dem Mars zu stehen oder dem Neptunmond
Triton. Die Laserbildprojektion des ZULIP beruht auf der
Ablenkung eines Laser-Strahls. Als Lichtquelle dient eine
Lasereinheit mit drei Wellenlängen für die Farben
Rot, Grün und Blau. Mittels eines Scanners der einen
Polygonspiegel mit 25 Flächen beinhaltet, der mit über
1.000 Umdrehungen pro Sekunde rotiert, wird der Laserstrahl
so abgelenkt, dass Punkt für Punkt ein Bild auf der
Planetariumskuppel aufgebaut wird. Dabei bewegt sich der
Laserpunkt mit einer Geschwindigkeit von rund 90 Kilometern
pro Sekunde über die Projektionsfläche. Das Bild
entsteht erst im menschlichen Gehirn, das die extrem schnell
erzeugten Einzelpunkte zu einem Gesamteindruck zusammensetzt.
Der Laser besticht durch ein derart brillantes, farbintensives
und kontrastreiches Bild, dass er mit den anderen Geräten
zusammen den Eindruck eines über die gesamte Kuppel
projizierten Filmes erweckt. Werden ZULIP und Zeiss-Universarium
IX bewegt, glaubt man durch das Weltall zu reisen und zum
Beispiel um einen Planeten zu fliegen. Natürlich kann
solch eine Anlage nicht mehr per Hand gesteuert werden.
Drei Computer sind nötig um das gesamte Multimediasystem
zu steuern. Einer übernimmt die Gesamtsteuerung des
Showablaufs. Er generiert einen Timecode auf den sich die
beiden anderen Rechner synchronisieren und steuert alle
Geräte, mit Ausnahme des Zeiss-Universariums. Das
sind 2 DVD-Player, die Dia-Projektoren und je ein Mischpult
für Licht und den guten Ton. Ein weiterer Computer
ist allein mit dem Sternenhimmel und all seinen Raffinessen
befasst. Der dritte Computer gibt einen 5.1-Surroundsound
in die Kuppel aus.
Magnetator.de:
Donnerwetter. Aber welche Auswirkungen hatte denn der Umbau
auf das Show-Programm und die eingangs erwähnten
Live-Shows?
Harry Halas:
Mit dem Umbau des Hauses ging natürlich auch eine
Umgestaltung des Planetarium-Programms einher. Meine Aufgabe
war es nun, dem System Inhalt zu geben und es so zu beleben.
So gelangte ich in die Rolle des „Show Producers“.
Etwa ein dreiviertel Jahr dauert es, ehe ein großes
Planetariumsprogramm fertig gestellt ist. Nachdem es eine
erste Idee zum Inhalt der Show gibt, erstelle ich einen
Zeitplan für die gesamte Produktion. Dann bastle ich
mit Kollegen, manchmal aber auch alleine, an einem Drehbuch
- das ist ein schwieriger Teil, da es nicht immer möglich
ist, spontan kreativ zu sein. Viele Dinge werden ausgelagert.
Beispielsweise lassen wir spezielle Illustrationen sowie
Animationen, aber auch den gesamten Ton außerhalb
des Planetariums produzieren. Die Illustrationen werden
von uns danach zu Dias verarbeitet oder zu kleinen Bildfolgen
zusammen geschnitten. Die Animationen werden gemeinsam
mit den Bildfolgen zusammengefügt und auf eine DVD
gebrannt. Die Sprecher für die Show nehmen wir in
einem Tonstudio auf.
Magnetator.de:
Und die Musik? Die war in Ihren Shows immer spitzenmäßig
auf die Bilder abgestimmt.
Harald Halas:
Danke für das Kompliment! Für die Musik zur Show
greifen wir im Allgemeinen auf schon bestehendes Material
z.B. aus Filmen zurück - ich wähle sie gemeinsam
mit dem Tontechniker und einem freien Mitarbeiter aus.
Das dauert manchmal ein paar Tage. Wir treffen uns, jeder
mit einem Stapel CDs. Alles in allem ist es eine lustige
Angelegenheit. Damit auch alles zur richtigen Zeit passiert,
muss der Showablauf vorprogrammiert werden und zwar gesondert
für den Zeiss-Sternenprojektor und die Geräte,
die an der Jematic-Steuerung hängen. Das dauert in
etwa zwei Monate. Da ich auch die Regie führe, muss
ich während der ganzen Produktionsphase ständig
alle Bereiche überblicken und miteinander abstimmen.
Manchmal ergeben sich ungeahnte Probleme, sodass das Drehbuch
einem ständigen Wechsel unterworfen ist. Am Ende einer
Produktion wird es eigentlich immer eng. Egal wie viel
Zeit ich für die letzten Arbeitsschritte einplane,
die Zeitvorgaben werden oft nicht eingehalten und es sind
Nachtschichten notwendig, um den Premieretermin einzuhalten.
Magnetator.de:
Das klingt nach einem „full-time-job“. Aber
wer kümmert sich um das laufende Programm, während
Sie entwickeln, Regie führen, lustige Musiksitzungen
haben?
Harald Halas (lacht):
Gute Frage und die Antwort ist einfach: Ich kümmere
mich darum. Neben der Produktion darf der laufende Betrieb
natürlich nicht zum Erliegen kommen, was oft gar nicht
so leicht ist. Die Zeit ist oft knapp und die aberwitzigsten
Dinge passieren. Seit Herbst 2002 haben wir nun schon einige
Shows auf die Beine gestellt.
Magnetator.de:
Das können wir bestätigen, weil Magnetator schon
Ende 2002 mit der Neueröffnung Einzug auf Basis der
Kooperation ins Planetarium gefunden hat und wir die Entwicklung
bis heute miterleben durften. Erzählen Sie unseren
Lesern doch bitte kurz, welche Shows Sie bieten.
Harry Halas:
Das Repertoire reicht von einfachen Märchen für
Kinder, über Einsteigerastronomie für Schulen
bis zu Programmen, die sich mit speziellen Gebieten wie
z.B. dem Mars oder dem Himmel über der Südhalbkugel
befassen. Zudem findet jeden Freitagabend um 19:00 Uhr
eine live moderierte Show statt, die den aktuellen Sternenhimmel
und ein monatlich wechselndes Thema behandelt.
Magnetator.de:
Hey, das heißt Sie haben ein Stück Tradition
bewahrt und darüber hinaus noch einen besonderen „roten
Faden“ in der Geschichte des Planetariums erhalten?
Harry Halas:
Ja, es gibt sie immer noch, die gute alte Liveshow. Die
neue Technik hat sie nicht verdrängt, wir haben
das Programm nur angepasst. Die Anzahl unserer Shows
wächst stetig - die Ideen gehen uns noch lange nicht
aus - meine Schublade ist voll davon.
Magnetator.de:
Glückwunsch! Wirklich klasse, was aus den Träumen,
Interessen und Wünschen eines Siebenjährigen
geworden ist, der einen Vortrag über den Mond und
seinen Schneider gehört hat.
Harry Halas:
Na ja, mein Beruf scheint mich von dem, was einmal meine
Berufung war, weit entfernt zu haben. Wie gesagt, eigentlich
bin ich die meiste Zeit als Multimediaspezialist eingespannt.
Bilder zu bearbeiten, Animationen zusammen zu schneiden
und Soundfiles zu mischen macht mir aber auch eine Menge
Spaß. Meine Arbeit verbindet Kreativität mit
Wissenschaft und ist überdies ungeheuer abwechslungsreich.
Außerdem verbringe ich einen nicht zu vernachlässigenden
Teil meiner Arbeitszeit mit astronomischen Anfragen aller
Art. Sei es, dass es ein unbekanntes beobachtetes Phänomen
aufzuklären gilt, Infos zu bestimmten astronomischen
Gebieten gewünscht sind, oder Berechnungen gebraucht
werden. Manches ist recht knifflig, die eine oder andere
Begegnung der dritten Art erweist sich für die anfragende
Person manchmal als Enttäuschung. Nicht alle wollen
das auch gleich wahr haben. Oh, an dieser Stelle sollte
ich erwähnen, dass mir als rundum Science Fiction
Fan und "Star Trek"-Hardcorejunkie nichts lieber
wäre, als dass außerirdisches Leben endlich
gefunden werden würde, auch wenn es sich dabei nur
um Mikroben handeln sollte.
Magnetator.de:
Okay, dann wissen wir jetzt, was Ihnen besonders gefallen
würde. Was mögen Sie weniger?
Harry Halas:
Die schwierigsten Fälle sind für mich tiefgläubige
Astrologen, die mich zur „dunklen Seite der Astronomie“ bekehren
wollen. „Ja, zu leicht verführen sie kann, weil
so viele Hoffnungen sie macht. Doch hüten muss er
sich, der Astronom - nicht schwach werden darf er, selbst
wenn das schnelle Geld lockt und medienwirksame Auftritte
in Funk und Fernsehen Ruhm und Reichtum versprechen.“ Nun
gut, jeder wie er mag. ... Oder vielleicht jeder wie er
kann?
So wechsle ich meine Haarfarbe beinahe so oft wie der Mond
für den Lauf um die Erde benötigt und freue mich
immer über den Sternenhimmel im Planetarium, auch
wenn es draußen eigentlich Tag ist, es stürmt
oder regnet.
Magnetator.de:
Was macht ein so viel beschäftigter Astronom wie Sie
im Urlaub? Wo verbringen Sie Ihre Freizeit?
Harry Halas:
Jedes Jahr im Sommer nehme ich mir drei Wochen Auszeit
vom Planetarium und widme mich der Betreuung von Kindern
im Kinderdorf Gresten. Ja. auch wenn es manche nicht
glauben wollen, aber für mich ist das die perfekte
Erholung. Drei Wochen Spaß, Blödeln und alles
außer konzentriert arbeiten. Mit Kindern kann ich
besonders gut. Nun, das wird mir zumindest nachgesagt.
Manche gehen sogar so weit und meinen das läge daran,
dass ich selbst noch ein Kind sei. ... Ja, wer weiss.
*ggg*
Magnetator.de:
Sehr geehrter Herr Halas, das Gespräch war uns eine
große Freude, herzlichen Dank.
Harry Halas:
see ya, somewhere in spacetime ...

Kontakt:
Zeiss Planetarium der Stadt Wien
Oswald-Thomas-Platz 1
A-1020 Wien
Tel: + 43 (0) 1 729 5494-13
mail: hhalas@planetarium-wien.at [LW]